Direkter Einblick in die Gedankenwelt des Handwerksnachwuchses
Für euch haben wir uns bei über 400 Auszubildenden im Handwerk umgehört! Unsere Azubi-Befragung 2026 zeigt, was Auszubildende bewegt, welche Erwartungen sie an ihre Arbeitgeber haben und wie sie ihre Zukunft im Handwerk sehen.
Die Antworten der über 400 befragten Auszubildenden liefern klare Hinweise und an einigen Stellen auch überraschende Erkenntnisse. Wenn Du hier weiterliest, können wir nicht ausschließen, dass Du entscheidende Hinweise darauf erhältst, was junge Menschen heute von ihrem Ausbildungsbetrieb erwarten, welche Faktoren ihre Zufriedenheit beeinflussen und wodurch langfristige Bindung an Betrieb und Branche gelingt.
Info
Im Rahmen der Azubi-Befragung 2026 wurden 418 Auszubildende der Handwerkskammern Aachen, Frankfurt-Rhein-Main, Magdeburg und der Pfalz befragt.
Die Befragten befinden sich im 1. bis 3. Ausbildungsjahr und werden in unterschiedlichen Handwerksberufen ausgebildet, darunter u. a. Anlagenmechaniker:innen SHK, Elektroniker:innen, Tischler:innen, Fliesenleger:innen, Friseur:innen, Metallbauer:innen, Straßenbauer:innen sowie Kaufleute für Büromanagement.
Die Befragung beschäftigte sich mit den Themen:
- Zufriedenheit und Bleibewille
- Arbeitgeberattraktivität
- Regionalität
- Digitalisierung
- Geschlechter im Handwerk
Die Auszubildenden haben offen und ehrlich Auskunft gegeben und die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse für Ausbildungsbetriebe.
Fast 9 von 10 Azubis würden sich wieder für das Handwerk entscheiden
Gute Nachrichten für das Handwerk: Die Ergebnisse der Azubi-Befragung 2026 zeigen eine außergewöhnlich hohe Zufriedenheit. 89,6 Prozent der Befragten sind mit ihrer Ausbildungsentscheidung zufrieden, und 87,5 Prozent planen, auch nach ihrem Abschluss im Handwerk zu bleiben.
Nur rund jeder zehnte Azubi äußert Zweifel an seiner Berufswahl oder sieht seine Zukunft nicht im Handwerk. Auffällig ist dabei: Die Zufriedenheit mit der aktuellen Ausbildung liegt leicht über der Bleibeabsicht. Dieses Muster ist typisch, da die Bewertung der gegenwärtigen Situation oft positiver ausfällt als die Einschätzung zukünftiger Entscheidungen.
Die Ergebnisse machen deutlich: mal im Handwerk angekommen, ist die Zufriedenheit sehr hoch und ebenso die Bereitschaft, auch künftig im Handwerk zu arbeiten.
Welche Eigenschaften machen einen Betrieb aus Sicht von Auszubildenden besonders attraktiv?
Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: An erster Stelle steht die Bezahlung. Für 68 Prozent der Befragten ist sie „sehr wichtig“. In unserer letzten Azubi-Befragung war die Entlohnung auch schon Spitzenreiter, dieses Ergebnis konnte hier also bestätigt werden. Zeiten steigender Kosten und einer wirtschaftlich instabilen Lage legen den Fokus unserer Azubis auf das Gehalt. Jedoch geht es hier nicht nur um das aktuelle Azubigehalt, das je nach Lehrberuf ab dem 1. Lehrjahr bei rund 1000 Euro liegt. Vielmehr interessiert junge Menschen die langfristige Perspektive: Welches Einkommen kann nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung als Gesellin oder Geselle erreicht werden? Transparente Informationen zu Karriere- und Verdienstmöglichkeiten können hier ein wichtiger Faktor für die Bindung an Betrieb und Handwerk sein.
Knapp dahinter folgen die Möglichkeiten der Weiterbildung mit 65 Prozent. Dies ist ein bemerkenswertes Ergebnis, denn es zeigt, wie wichtig jungen Menschen berufliche Perspektiven und Entwicklungschancen sind. Es lohnt sich also, mit Azubis über Entwicklungsmöglichkeiten zu sprechen, sei es Aufstieg in die nächste Führungsebene oder eine Fachlaufbahn (z. B. „Experte Photovoltaik“). Ebenfalls weit vorne liegen genügend Freizeit (63 %), eine gute Stimmung im Team (63 %) sowie Sicherheit am Arbeitsplatz (62 %), also der Arbeitsschutz. Wozu Betriebe laut Arbeitsschutzgesetz verpflichtet sind, ist also auch Kriterium für Attraktivität!
mit 68%
Entlohnung
An erster Stelle steht die Bezahlung. Für 68 Prozent der Befragten ist sie „sehr wichtig“.
Die Bezahlung landet wie bei unserer letzten Azubibefragung erneut auf Platz 1 der wichtigsten Kriterien. Das zeigt, dass junge Menschen Wert auf finanzielle Sicherheit und faire Vergütung legen. Gleichzeitig liegen die weiteren Plätze so dicht beieinander, dass klar wird: Gute Bezahlung allein reicht nicht aus. Wer Nachwuchskräfte gewinnen und halten möchte, muss neben dem Gehalt auch attraktive Arbeitsbedingungen schaffen.
mit 65%
Weiterbildung
Knapp dahinter auf Platz 2 folgen die Möglichkeiten der Weiterbildung mit 65 Prozent.
Dass die Möglichkeiten der Weiterbildung direkt hinter der Bezahlung auf Platz 2 landen, ist bemerkenswert. Junge Menschen denken wohl nicht nur an ihre aktuelle Ausbildung, sondern auch an ihre Zukunft und der Betrieb sollte keine Sackgasse sein. Handwerksbetriebe sollten deshalb frühzeitig aufzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten nach der Ausbildung bestehen, vom Gesellen zum Fachexperten über den Meister bis hin zu Führungsaufgaben oder auch einer späteren Betriebsübernahme.
mit 63%
Freizeit
Ebenfalls weit vorne liegt genügend Freizeit mit 63 %.
Genügend Freizeit erreicht einen Spitzenplatz und zeigt, dass Auszubildende Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben legen. Für Betriebe bedeutet das nicht zwangsläufig kürzere Arbeitszeiten. Oft sind es planbare Arbeitsabläufe, verlässliche Arbeitszeiten und eine respektvolle Berücksichtigung privater Belange, die den Unterschied machen.
Das ganze Team entscheidet mit über den Ausbildungserfolg
Die Stimmung im Team ist kein Hintergrundrauschen, vielmehr gehört das für die Azubis zu den wichtigsten Kriterien eines attraktiven Arbeitgebers. Das verdeutlicht, wie stark die Ausbildung von den Menschen geprägt wird, mit denen junge Fachkräfte täglich zusammenarbeiten. Ein respektvoller Umgang, Hilfsbereitschaft und die Integration neuer Auszubildender sind deshalb weit mehr als „weiche Faktoren“, sie beeinflussen unmittelbar die Zufriedenheit und Bindung.
Arbeitsschutz als Wettbewerbsvorteil
Die Sicherheit am Arbeitsplatz gehört zu den wichtigsten Kriterien eines attraktiven Arbeitgebers. Das zeigt: Junge Menschen erwarten, dass ihre Gesundheit und körperliche Unversehrtheit ernst genommen werden. Bemerkenswert ist dabei, dass Arbeitsschutz eigentlich keine freiwillige Zusatzleistung ist, sondern eine gesetzliche Pflicht jedes Arbeitgebers. Und die Azubis machen deutlich, dass genau diese Pflicht als Qualitätsmerkmal bewertet wird. Betriebe, die auf sichere Arbeitsbedingungen, regelmäßige Unterweisungen, geeignete Schutzausrüstung und eine echte Sicherheitskultur achten, erfüllen daher nicht nur gesetzliche Vorgaben, sie stärken zugleich ihre Attraktivität als Ausbildungsbetrieb und das Vertrauen ihrer Nachwuchskräfte.
Arbeitgebermarke ist gut, Arbeitsalltag ist besser
Ein überraschendes Ergebnis liefert der letzte Platz: Das Image des Unternehmens spielt für die befragten Azubis eine deutlich geringere Rolle als konkrete Rahmenbedingungen im Betrieb. Während Betriebe häufig viel Energie in Außendarstellung und Werbung investieren, achten junge Menschen offenbar stärker darauf, wie ihr Arbeitsalltag tatsächlich aussieht. Die Botschaft ist klar: Ein gutes Image kann Interesse wecken aber bleiben werden Azubis wegen guter Arbeitsbedingungen, Entwicklungsmöglichkeiten und eines starken Teams.
Was den Azubis "sehr wichtig" ist...
Die Ergebnisse zeigen: Für Azubis macht nicht der eine Faktor einen attraktiven Arbeitgeber aus. Neben einer fairen Bezahlung zählen vor allem Entwicklungsperspektiven, Verlässlichkeit und ein gutes Arbeitsumfeld. Wer hier investiert, hat beste Chancen, Nachwuchskräfte langfristig zu gewinnen und zu binden.
Vielen Dank an alle Auszubildenden,
die an unserer Azubi-Befragung 2026 teilgenommen haben!
Eure Offenheit und euer Engagement sind von großem Wert, denn es geht bei der Zukunft des Handwerks um Euch. Um Eure Ausbildung, Eure Zukunft und darum, das Handwerk gemeinsam noch besser zu machen.

