Alters- und alternsgerechte Arbeitsgestaltung umsetzen!
Dein Betrieb steckt mitten im demografischen Wandel: Fachkräfte fehlen, Nachwuchs ist schwer zu finden und viele Mitarbeitende werden älter und gleichzeitig platzt die Auftragslage für viele Betriebe weiterhin aus allen Nähten.
Gerade jetzt ist es entscheidend, dass du deine Arbeitsplätze so gestaltest, dass sie für jedes Alter passen. So machst du deinen Betrieb attraktiv für neue Leute und hältst deine erfahrenen Fachkräfte länger gesund und leistungsfähig im Team und stellst deinen Betrieb gleichzeitig noch zukunftsfähig. Eine klassische WIN-WIN-WIN-Situation!
In diesem Beitrag zeigen wir dir, wie du das ganz konkret anpacken kannst.
Was ist das und warum ist das wichtig?
Die altersgerechte Arbeitsgestaltung beschreibt das Kompensieren von altersgruppenspezifischen Aspekten durch geeignete Maßnahmen. Beispielsweise kann das die Einhaltung des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) sein oder die gezielte Entlastung älterer Mitarbeitender. Die alternsgerechte Arbeitsgestaltung ergänzt diesen Ansatz durch den Fokus auf präventive Maßnahmen über die gesamte Erwerbslaufbahn hinweg. Am Ende gilt: Gut gestaltete Arbeit bedeutet, dass sie für jedes Alter passt. So stärkst du deine Beschäftigten und deine Arbeitgebermarke in einem Schritt.
Das wissen wir aus der Forschung
Aus der Forschung wissen wir ganz klar, an welchen Stellschrauben du drehen kannst, um Arbeit wirklich alter(n)sgerecht zu gestalten: Letztlich sind das die Arbeitsumgebung und -organisation, die Aufgaben selbst und das Miteinander im Team. Gerade im Handwerk ist das starke Wir-Gefühl ein echter Trumpf. Es unterstützt nicht nur gesundes, gutes Arbeiten in jedem Alter, sondern macht deinen Betrieb auch für neue Fachkräfte besonders attraktiv.
Das kannst du tun
Wenn du mit deinem Betrieb die Arbeitsgestaltung aufbauen willst, die deine Mitarbeitenden langfristig gesund und leistungsfähig hält, stehen dir dafür verschiedene wirkungsvolle Stellschrauben zur Verfügung:
Arbeitsumgebung
Damit ist zum einen der klassische Arbeitsschutz gemeint und zum anderen der kluge Umgang mit sich verändernden körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeiten im Arbeitsalltag. Grundlage bietet i.d.R. eine Gefährdungsbeurteilung, zu der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet sind (nach ArbSchG). Ziel ist es, Arbeitsmittel sowie körperliche und umgebungsbedingte Faktoren so zu gestalten, dass die Gesundheit deiner Mitarbeitenden bestmöglich geschützt und nicht unnötig belastet wird.
Konkrete Maßnahmen für Betriebe können sein:
Ergonomie im Arbeitsalltag
Ergonomie im Arbeitsalltag sicherstellen: Zum Beispiel durch:
- geeignete (höhenverstellbare) Hilfsmittel
- Technologische Unterstützung bei Aufgaben wie schwerem Heben und Tragen oder Zwangshaltungen
- clevere organisatorische Abläufe zur körperlichen Entlastung, wie Aufgabenrotationen, Teamarbeit bei schweren Lasten, optimierte Werkstatt- oder Lagerorganisation
- kurze, praxisnahe Schulungen oder Anleitungen zum „richtigen“ Heben und Tragen
Arbeitsschutz konsequent leben
Arbeitsschutz konsequent leben. Dazu gehören z. B. folgende Punkte:
- Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
- Hilfsmittel zur Lärmreduktion
- Hilfsmittel zum Schutz vor Hitze, Kälte und Witterung
- angepasste Arbeitsabläufe, damit alle Vorgaben des Arbeitsschutzes sicher eingehalten werden
- Nutzung durch Führungskräfte (Vorbildfunktion!)
Arbeitsorganisation
In diesem Bereich gestaltest du sowohl Arbeitszeiten als auch Arbeitsabläufe. Wichtig ist dabei: Die Regeln müssen für alle fair sein. Eine Entlastung älterer Mitarbeitender darf nicht dazu führen, dass Jüngere sich überlastet fühlen.
Was kannst Du konkret tun?
- Sorge für ausreichend Pausen und Erholungszeiten
- Plane Urlaub und Freistellungen verlässlich ein
- Halte Arbeitszeiten klar geregelt
- Biete, wo möglich, flexible Modelle wie Teilzeit oder Gleitzeit an
- Plane den Personaleinsatz realistisch
- Definiere Aufgaben, Abläufe und Zuständigkeiten eindeutig. So weiß jeder, was zu tun ist und niemand wird unnötig belastet. Davon profitierst du zuallererst als Betrieb!
Arbeitsaufgaben alter(n)sgerecht gestalten
Damit Aufgaben wirklich gesund, motivierend und zufriedenstellend wirken, sollten sie Mitarbeitenden genügend Spielraum geben, abwechslungsreich sein und weder über- noch unterfordern.
Wie kannst du das erreichen?
Lass deine Mitarbeitenden eigene Ideen einbringen, gib ihnen Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten und ermögliche ihnen, Verantwortung zu übernehmen.
Biete anspruchsvolle, aber machbare Aufgaben an. Wenn jemand noch Unterstützung braucht, investiere in Weiterbildung und die Entwicklung der nötigen Kompetenzen und Fähigkeiten. Viele Betriebe lassen diesen Teil wegen des Tagesgeschäfts hinten runterfallen. Aber genau hier entscheidet sich, ob dein Team langfristig stark, motiviert und leistungsfähig bleibt.
Das Miteinander im Team
Aus der Forschung wissen wir: Das soziale Umfeld ist entscheidend für Zufriedenheit, Gesundheit und Leistung bei der Arbeit. Besonders für ältere Mitarbeitende werden Wertschätzung und Anerkennung am Arbeitsplatz zunehmend wichtiger, während andere Faktoren eher in den Hintergrund rücken.
Auf folgende Aspekte kannst du achten, um ein gutes und gesundes Arbeitsklima sicherzustellen:
Kommunikation
Eine offene, ehrliche Kommunikation – sowohl zwischen den Kolleginnen und Kollegen als auch mit den Vorgesetzten
Wertschätzung
Gegenseitige Wertschätzung und Anerkennung. Kleine Gesten wirken oft am stärksten.
Wissens- und Informationsaustausch
Regelmäßiger Wissens- und Informationsaustausch ist wichtig, damit alle auf dem gleichen Stand sind. Das kann wie ein Motivationshebel wirken, wenn das Team auch mal über „Unternehmer-Themen“ wie z. B. Bürokratieanforderungen oder auch mal die Bilanz, in Kenntnis gesetzt wird.
Feedback
Kontinuierliches Feedback – klar, fair und regelmäßig, „zwischen Tür und Angel“ geht auch!
Aktive Einbindung
Mitarbeitende aktiv in Entscheidungen einbinden. Besonders, wenn diese ihren Arbeitsalltag betreffen (z. B. durch die Frage „Welche Unterstützung/welches Hilfsmittel wäre hier gut?“)
Stress Reduktion
Stress und psychische Belastungen reduzieren. Das geht nachweislich z. B. durch gute Organisation, klare Abläufe und ein unterstützendes Miteinander.
Fazit
Maßnahmen zur alter(n)sgerechten Gestaltung der Arbeit müssen nicht kompliziert sein und sie tragen maßgeblich dazu bei, die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen und den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen. Es lohnt sich also, sich mal mit dem Thema zu beschäftigen und zu überlegen, welche Maßnahmen für den eigenen Betrieb passen oder sinnvoll sein können. Machst du hier sogar schon viel und warst dir dessen nur nicht bewusst?
Wertvolle Mitarbeitende: Best Ager
Noch mehr Infos zum Thema altersgerechte Arbeitsgestaltung und „Best Ager“ gibt es auch bei unserem Partner IKK-Classic. Sie werfen einen Blick auf die erfahrenen Mitarbeitenden eines Betriebs, die über 50 sind und welche wertvollen Chancen sie im Rahmen der Fachkräftesicherung bieten.
Mehr Informationen?
Wie Betriebe aus eine alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung umsetzen können ist im Praxisleitfaden „Länger gut und gesund arbeiten können!“ beschrieben. Hier am Beispiel des SHK-Bereichs – mit einem regelmäßigen Tätigkeitswechsel, der Arbeit beim Kunden, auf Bau- und Montagestellen, was viele von euch kennen. Den Leitfaden hat das Institut für Betriebsführung Deutschen Handwerk gerade neu veröffentlicht. Werft ein Blick hinein und schaut, ob die Impulse auch für euren Betrieb hilfreich sein können.

