Was Azubis 2026 über die Digitalisierung im Handwerk denken

Für Euch haben wir nachgefragt: Im Rahmen der Azubi-Befragung 2026 haben Hunderte Auszubildende ihre Einschätzung zur Digitalisierung im Handwerk gegeben. Die Ergebnisse zeigen, wo die Betriebe bereits gut aufgestellt sind, wo noch Potenzial besteht und welche digitalen Angebote für junge Menschen tatsächlich wichtig sind.

In unserem 1. Teil ging es um Zufriedenheit, Bleibewille und darum, was Azubis wichtig ist. Hier erfährst du einiges über den Stand der Digitalisierung in der Ausbildung.

Die Antworten der über 400 befragten Auszubildenden liefern klare Hinweise und an einigen Stellen auch überraschende Erkenntnisse. Wenn Du hier weiterliest, können wir nicht ausschließen, dass Du entscheidende Hinweise darauf erhältst, was junge Menschen heute von ihrem Ausbildungsbetrieb erwarten, welche Faktoren ihre Zufriedenheit beeinflussen und wodurch langfristige Bindung an Betrieb und Branche gelingt.

Info

Im Rahmen der Azubi-Befragung 2026 wurden 418 Auszubildende der Handwerkskammern Aachen, Frankfurt-Rhein-Main, Magdeburg und der Pfalz befragt.

Die Befragten befinden sich im 1. bis 3. Ausbildungsjahr und werden in unterschiedlichen Handwerksberufen ausgebildet, darunter u.  a. Anlagenmechaniker:innen SHK, Elektroniker:innen, Tischler:innen, Fliesenleger:innen, Friseur:innen, Metallbauer:innen, Straßenbauer:innen sowie Kaufleute für Büromanagement.

Die Befragung beschäftigte sich mit den Themen:

  • Zufriedenheit und Bleibewille
  • Arbeitgeberattraktivität
  • Regionalität
  • Digitalisierung
  • Geschlechter im Handwerk

Die Auszubildenden haben offen und ehrlich Auskunft gegeben und die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse für Ausbildungsbetriebe.

Digitalisierung in der Ausbildung: Zwischen Smartphone-Generation und Baustellenalltag

Digitale Technologien prägen den Alltag junger Menschen wie kaum eine Generation zuvor. Doch welche Rolle spielt Digitalisierung in der Ausbildung? Und wie bewerten Auszubildende die digitale Ausstattung ihrer Betriebe und welche Erwartungen haben sie? Wir haben nachgefragt und eines wird dabei schnell deutlich: Digitalisierung ist für Auszubildende kein Selbstzweck. Entscheidend ist nicht, möglichst viele digitale Werkzeuge einzusetzen, sondern ob diese den Arbeitsalltag und die Ausbildung wirklich verbessern.

Die Technik ist da, die Übung noch nicht immer

Digitalisierung hält zunehmend Einzug in die Ausbildung im Handwerk. Die Mehrheit der befragten Azubis gibt an, sowohl praktische Übungen zur Digitalisierung (56,3 %) als auch Schulungen im Umgang mit digitalen Werkzeugen (64,1 %) zu erhalten. Das zeigt: In vielen Betrieben ist die Digitalisierung ein Thema und den Azubis werden digitale Kompetenzen vermittelt.

Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass noch Luft nach oben bleibt. Immerhin 44 Prozent der Befragten sehen nicht genügend praktische Übungen zur Digitalisierung, und 36 Prozent geben an, nicht ausreichend im Umgang mit digitalen Tools geschult zu werden.

Besonders interessant: Es scheint leichter zu sein, über digitale Werkzeuge zu sprechen, als sie tatsächlich im Arbeitsalltag einzusetzen. Während fast zwei Drittel der Azubis Schulungen erhalten, kommt die praktische Anwendung etwas seltener vor. Aber genau hier liegt der Schlüssel zum Lernerfolg. Denn digitale Kompetenzen entstehen nicht allein durch Erklärungen, sondern vor allem durch regelmäßiges Ausprobieren und praktisches Anwenden.

Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich: Die Digitalisierung ist in vielen Ausbildungsbetrieben angekommen. Aber von einer flächendeckenden und selbstverständlichen Verankerung im Ausbildungsalltag kann noch nicht überall die Rede sein.

Tablets statt Papier? Azubis haben klare Vorstellungen von Digitalisierung

Die offenen Antworten der Auszubildenden zeigen deutlich: Die Befragten wünschen sich vor allem digitale Lösungen, die die Ausbildung einfacher, moderner und praxisnäher machen.

Auffällig ist außerdem: Viele Azubis fordern nicht einfach „mehr Digitalisierung“, sondern mehr Gelegenheiten, digitale Technologien selbst auszuprobieren und anzuwenden. Aussagen wie „Mehr Zeit zum Ausprobieren“, „Montage von Anlagen simulieren“ oder „mehr computergestütztes Zeichnen“ zeigen, dass Lernen durch praktisches Erleben im Vordergrund steht.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich Auszubildende digitale Werkzeuge nicht um ihrer selbst willen wünschen, sondern praktische Lösungen, die nicht nur den Ausbildungsalltag erleichtern, sondern die Prozesse des ganzen Betriebs effizienter machen.

Digitale Endgeräte

Tablets, Laptops oder Smartphones – viele Azubis möchten diese nicht nur für die Berufsschule, sondern auch im betrieblichen Alltag stärker nutzen.

Digitale Stundenzettel und Berichtshefte

Diese digitalen Lösungen werden ebenfalls häufig genannt. Damit könnten papierbasierte Prozesse ersetzen, Medienbrüche verringert und der organisatorische Aufwand reduziert werden.

„Excel“

Die Azubis nennen zudem häufig den Wunsch, „Excel zu nutzen“. Das wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, zeigt aber einen wichtigen Punkt: Oft geht es noch nicht um hochkomplexe Zukunftstechnologien, sondern um digitale Grundlagen.

Digitale Schulungen

Hier liegt ein weiterer Schwerpunkt: Technologien wie CAD-Software, CNC-Systeme oder sogar Office-Anwendungen spielen in vielen Gewerken eine zunehmend wichtige Rolle. Entsprechend wünschen sich die Befragten mehr Möglichkeiten, den Umgang mit solchen Anwendungen frühzeitig und praxisnah zu erlernen.

Was können uns die Ergebnisse sagen?

Digitalisierung ist im Handwerk angekommen, aber noch nicht überall

Die gute Nachricht ist, dass die Mehrheit der Azubis bereits digitale Technologien in ihrer Ausbildung erlebt. Das zeigt, dass viele Handwerksbetriebe den Weg in die Digitalisierung eingeschlagen haben. Gleichzeitig macht die Befragung deutlich, dass noch nicht alle Auszubildenden gleichermaßen davon profitieren. Digitalisierung gehört heute zunehmend zu den Erwartungen junger Menschen und wird auch vom Ausbildungsbetrieb als selbstverständlich vorausgesetzt. Damit wird das Thema auch zu einem Faktor für die Attraktivität als Ausbildungsbetrieb.

Digitale Kompetenzen entstehen durch Praxis

Schulungen sind wichtig, reichen allein aber nicht aus. Die Ergebnisse zeigen, dass Azubis häufiger Erklärungen und Schulungen als praktische Anwendung digitaler Werkzeuge erleben. Das regelmäßige Nutzen im Arbeitsalltag könnte also ausgebaut werden. Wer Azubis digitale Werkzeuge tatsächlich an die Hand gibt, fördert ihre Kompetenzen nachhaltiger als jede Schulung.

Basics machen oft den Unterschied

Überraschend für uns ist: Die Azubis wünschen sich nicht in erster Linie Hightech-Lösungen oder KI-Anwendungen. Auf der Wunschliste stehen Tablets, digitale Berichtshefte, Zeiterfassung oder Programme wie Excel. Für viele Betriebe liegt das größte Potenzial deshalb nicht in aufwendigen Zukunftsprojekten, sondern darin, bewährte digitale Werkzeuge konsequent im Ausbildungsalltag einzusetzen.

Azubi-Wünsche schaffen echten Mehrwert für den Betrieb

Besonders spannend ist, dass viele der genannten Wünsche nicht nur den Auszubildenden zugutekommen, sondern gleichzeitig Abläufe im gesamten Betrieb verbessern. Digitale Endgeräte, digitale Zeiterfassung, cloudbasierte Dokumente oder auch die Nutzung von Excel erleichtern das Lernen, machen aber gleichzeitig Prozesse effizienter, reduzieren Papieraufwand und verbessern den Informationsfluss im Betrieb.
Damit zeigt die Befragung eine Win-win-Situation auf: Was Azubis als attraktive Ausbildung wahrnehmen, kann gleichzeitig die Produktivität und Zukunftsfähigkeit des Betriebs stärken. Wer in Digitalisierung investiert, investiert also nicht nur in die Ausbildung, sondern oft auch in die Weiterentwicklung des eigenen Betriebs.

Vielen Dank an alle Auszubildenden,
die an unserer Azubi-Befragung 2026 teilgenommen haben!

Eure Offenheit und euer Engagement sind von großem Wert, denn es geht bei der Zukunft des Handwerks um euch. Um eure Ausbildung, eure Zukunft und darum, das Handwerk gemeinsam noch besser zu machen.