So kannst du diesen Schritt schaffen!
Viele Handwerksbetriebe starten als Ein‑Personen‑Unternehmen und aus zahlreichen Soloselbstständigen werden erfolgreiche Betriebe, die Mitarbeitende einstellen und sogar ausbilden. Genau das ist wichtig für die Zukunft des Handwerks. Denn wenn aus einem Ein‑Personen‑Betrieb ein wachsender Betrieb wird, entstehen Arbeits- und Ausbildungsplätze, Zukunftsperspektiven und stabile regionale Strukturen. Mit der richtigen Unterstützung können aus Einzelkämpfern starke Betriebe werden, die wachsen.
Der Wunsch nach Stabilisierung
Soloselbstständige im Handwerk gelten häufig als dauerhaft „kleinstrukturiert“. Doch eine Studie des Instituts für Betriebsführung im Deutschen Handwerk zeigt: Der Wunsch nach personellem Wachstum ist vielfach vorhanden. Was fehlt, sind nicht Motivation oder Ambitionen, sondern tragfähige Rahmenbedingungen. Von vielen Soloselbstständigen wird die eigene Auftragslage als nicht stabil genug eingeschätzt bzw. es werden nicht genügend Einnahmen für Beschäftigte generiert, um Personalkosten und Sozialabgaben zu decken.
So ist Wachstum bei vielen gewollt, aber an Bedingungen geknüpft. Nahezu alle Einzelkämpferinnen und -kämpfer äußern den Wunsch, Mitarbeitende oder Auszubildende einzustellen. Sie nennen eine stabile Auftragslage und einen ausgebauten, verlässlichen Kundenstamm als Voraussetzung. Somit scheint personelles Wachstum am Wunsch nach Stabilisierung zu hängen.
Tipp: Stelle nicht nur ein, weil du ausgelastet bist
Der Schritt zum Arbeitgeber ist mehr als eine reine Kapazitätsfrage. Wer Mitarbeitende einstellt, übernimmt Verantwortung. Es lohnt sich, vor der ersten Einstellung einen Moment innezuhalten und sich folgende Fragen zu stellen:
- Welche Aufgaben möchtest du wirklich abgeben?
- Welche Rolle möchtest du künftig selbst im Unternehmen einnehmen?
- Und welche Strukturen braucht dein Betrieb, damit neue Mitarbeitende erfolgreich mitarbeiten können?
Je klarer diese Fragen beantwortet sind, desto leichter gelingt der Übergang vom Selbstständigen zum Unternehmer.
Wachstum mit Rückendeckung
Für viele Ein‑Personen‑Betriebe ist die Soloselbstständigkeit keine Dauersituation, sondern eine bewusste Start‑ oder Wachstumsphase. Der nächste Schritt wird jedoch nur dann gegangen, wenn er finanziell tragbar ist hinsichtlich Unsicherheiten in der Kalkulation, Liquidität und Planbarkeit. Für viele gilt: Erst wenn die Zahlen stimmen, wird über Mitarbeitende oder größere Anschaffungen nachgedacht.
Unternehmerinnen und Unternehmer über alle Branchen hinweg kennen es: Mit Mitarbeitenden kommen neue Kosten – für Löhne, Fahrzeuge und Werkzeuge. Dafür braucht es schnell hohe und vor allem verlässliche Umsätze. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit, denn schon ein oder zwei unbezahlte Rechnungen können den gesamten Betrieb ins Wanken bringen.
Ansatzpunkte für gezielte Unterstützung
Soloselbstständige im Handwerk sind Mitglied in einer Handwerkskammer. Dort unterstützen Beraterinnen und Berater bei verschiedenen Anliegen. Ob Auftragslage, Finanzierung oder nächste Wachstumsschritte: Die Handwerkskammern unterstützen dabei, Risiken einzuschätzen und den Betrieb sicher und zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Hier findest du die für deinen Betrieb zuständige Handwerkskammer.
Konkrete Unterstützung – unsere Empfehlungen:
Soloselbstständige sind Einzelkämpferinnern und -kämpfer, denen es oft an Sparringspartnern oder Austausch unter gleichgesinnten Unternehmerinnen und Unternehmern fehlt. Daher schau dich um, es gibt viel Unterstützung da draußen!
Stabilität vor Wachstum fördern
Empfehlungen zur Fachkräftegewinnung nutzen wenig, wenn die betriebliche Basis nicht abgesichert ist. Unterstützungsangebote und Betriebsberatung sollten daher zunächst auf Auftragsstabilisierung, Kundenbindung und realistische Finanzplanung abzielen. Zum Beispiel: Sind die Preise richtig kalkuliert? Ist genug Geld für laufende Kosten vorhanden? Sind die Verträge sinnvoll gestaltet? Handwerkskammern beraten dich gerne kostenlos. Wir haben dir ein Beispiel der Beratungsthemen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main herausgesucht:
Tragfähig kalkulieren
Personelles Wachstum scheitert oft nicht am Willen, sondern an falscher oder zu enger Kalkulation. Soloselbstständige stellen in der Regel nur tatsächlich geleistete Stunden in Rechnung. Wenn jedoch nur abrechenbare Stunden betrachtet werden, fehlen Puffer für z. B. Krankheits- und Ausfallzeiten, Einarbeitung von Mitarbeitenden, Arbeitgeberanteile, Rücklagen oder die eigene Altersvorsorge. Daher sind Tragfähigkeitsprüfungen eine wichtige Grundlage, um Leute einzustellen.
Risiken realistisch bewerten
Viele Einzelkämpferinnen und -kämpfer überschätzen Risiken, weil ihnen belastbare Rechenmodelle fehlen. In diesen Modellen sollten reale Kosten, standardisierte Einstellungsrechner, branchenspezifische Fallbeispiele, existierende Fördermöglichkeiten und Einsparpotenziale sichtbar gemacht werden. Ein Personalkostenrechner bietet z. B. das handwerk-magazin (Dieser Rechner ist kostenpflichtig). Hiermit kannst du verschiedene Varianten durchspielen und genau sehen, was Mitarbeitende kosten:
Einstiege ermöglichen
Soloselbstständigen erscheint ein vollständiger Personalaufbau oft zu groß. Gestufte Modelle können da helfen. Zum Beispiel Teilzeitkräfte, Assistenzstellen, Minijobs oder sogar geteilte Auszubildende im Verbund.
FAQ - Fragen und Antworten auf einen Blick
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um erste Mitarbeitende einzustellen?
Der Wunsch nach Wachstum sollte an eine stabile Auftragslage und einen verlässlichen Kundenstamm geknüpft sein. Erst wenn die Zahlen hinsichtlich Kalkulation, Liquidität und Planbarkeit stimmen, ist der Schritt finanziell tragbar.
Muss ich Mitarbeitende direkt als Vollzeitstelle einstellen?
Nein. Um das Risiko gering zu halten, bieten sich gestufte Modelle an. Dazu gehören Teilzeitkräfte, Minijobs, Assistenzstellen oder sogar die Ausbildung im Verbund (geteilte Auszubildende).
Welche Kosten muss ich bei der Einstellung von Mitarbeitende beachten?
Oft werden nur die tatsächlich geleisteten Stunden berechnet. Eine tragfähige Kalkulation muss jedoch Puffer für Krankheits- und Ausfallzeiten, die Einarbeitung, Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sowie Rücklagen für die eigene Altersvorsorge enthalten.
Wo finde ich Unterstützung, wenn ich Mitarbeitende einstellen will?
Jeder soloselbstständige Handwerker ist Mitglied in einer Handwerkskammer (HWK). Die HWKs bieten kostenlose Betriebsberatungen zu Themen wie Finanzierung, Auftragslage, Arbeitgeberattraktivität, Fachkräftemangel und Risikoeinschätzung an.
Wie kann ich meine Arbeitgeberattraktivität stärken?
Um für Nachwuchskräfte attraktiv genug zu sein, helfen wir dir auf NEXT LEVEL HANDWERK. Stöbere in unserer Bibliothek, schau dir die Aktionen an, schalte dich bei unseren Online-Live-Events zu oder schau dir an, wie es andere Betriebe machen.
Quelle: Institut für Betriebsführung im DHI e. V.

